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Pures Glücksgefühl nach dem Marks-Elfmeter

FC Iserlohn liegt im Abstiegsendspiel in Brackel hinten, gerät in Unterzahl und feiert noch ein Happy End. Foto: IKZ, Dennis Echtermann

DORTMUND. „Niemals Landesliga“, sangen sie bei ihrem Jubeltanz. Spieler, Trainerstab und Vorstandsmitglieder lagen sich in den Armen, und man sah ihren Gesichtern an, welche Last gerade abgefallen war. Denn der FC Iserlohn stand beim Showdown in Brackel mit einem Bein in der Landesliga. Er geriet direkt nach der Pause in Rückstand, musste die letzten 25 Minuten in Unterzahl bestreiten, schlug dem Abstiegsgespenst dann doch ein Schnippchen. Und dafür durfte sich Yannik Marks feiern lassen. Denn sein Strafstoß war zehn Minuten vor dem Ende der Schuss ins Glück. Die Brackeler hingegen stürzten ins Tal der Tränen. Sie hatten viel investiert, waren die bessere Mannschaft, doch zum dringend benötigten Sieg im Saisonfinale reichte das nicht.

Fußball-Westfalenliga: SV Brackel – FC Iserlohn 1:1 (0:0).

Ein Transparent am Ballfangzaun hätte Warnung genug sein müssen für die Waldstädter. „Westfalenliga: Gekommen, um zu bleiben“, hatten sich die Dortmunder nach ihrem Aufstieg 2015 auf die Fahnen geschrieben. Und es fehlte nicht viel, um eine weitere Spielzeit dabei zu sein. Die erste Halbzeit dieses Abstiegskrimis, der mehr Iserlohner Anhänger anlockte als die meisten Heimspiele am Hemberg, verlief so, wie man es befürchten musste.

In der ersten Halbzeit scheuen beide Teams das Risiko

Beide Mannschaften scheuten das Risiko, sie wollten keine Fehler machen. Die Platzherren waren jedoch die aktivere Mannschaft, die gegen sehr gehemmt wirkende Iserlohner das Gros der Zweikämpfe gewann. Auch wenn die Gäste ja nicht unbedingt gewinnen mussten: Das Spiel nach vorn fand praktisch überhaupt nicht statt: Weite Schläge, die nicht ankamen, schlecht getimte Flanken, dazu nur ein Abschluss durch den angeschlagen ins Spiel gegangenen Kingsley Nweke. Zumindest auf die Deckung war Verlass, in der Dean Müsse fehlte. Er hatte sich im Training einen Bänderriss im Fuß zugezogen. Für ihn rückte Philipp Herder in die Innenverteidigung, und er war ein Stabilitätsgarant.

Beide Mannschaften hatten in der Kabine reichlich Zeit, um sich eine erfolgversprechende Strategie für den zweiten Durchgang zurecht zu legen, denn Schiedsrichter Ciha dehnte die Pause wegen eines Gewitters auf 30 Minuten aus. „Ein Gewitter ist ein gutes Omen. Das hatten wir auch gegen Lünen und haben gewonnen“, meinte FCI-Geschäftsführer Ernst Greve.

Doch alle Zuversicht verflog schlagartig nur eine Minute nach Wiederbeginn. Keeper Daniel Dreesen ließ einen eigentlich harmlosen Ball aus den Armen rutschen, Basic legte auf, und Schumacher vollstreckte zur Brackeler Führung.

Jetzt musste der FCI die Bremse lösen, jetzt musste ein Tor her. Und die Mannschaft wurde nun endlich aktiver, aber es gab keinen vernünftigen Abschluss. Und weil die eklatante Harmlosigkeit bei Standardsituationen erhalten blieb, drohte den Dortmundern keine Gefahr. Die standen sogar vor dem 2:0, aber Dreesen rettete gegen Basic (59.). Dann die Szene, die das Spiel zu entscheiden schien. Dominik Deppe hatte gerade den Ball gegen Birnkraut vertändelt und streckte den Brackeler postwendend mit einem Frustfoul an der Seitenauslinie nieder. Dafür gab es völlig zu Recht die rote Karte.

Nach Deppes Feldverweis scheint der FCI geschlagen

Wie sollte diese verunsicherte Mannschaft jetzt noch einmal zurück kommen? Sie mühte sich und kam durch Lötters und vor allem Marks endlich in Position, so dass Keeper Graudejus einmal gefordert wurde. Der stand dann in der 79. Minute plötzlich im Blickpunkt, als er den durchgebrochenen Lukas Lenz im Strafraum zu Fall brachte. Schiedsrichter Ciha zeigte sofort auf den Punkt und beließ es bei Gelb für den Keeper.

Yannik Marks feiert seinen Treffer zum 1:1 Ausgleich.

Wer würde schießen? Der Elfmeterspezialist Serafettin Sarisoy schaute schließlich verletzt zu. Yannik Marks schnappte sich entschlossen den Ball, schritt zur Tat – und vollstreckte souverän. Riesenjubel im Iserlohner Lager, aber noch war nichts gewonnen. Es folgten, inklusive Nachspielzeit, die längsten 15 Minuten der Saison, in denen Brackel alles auf eine Karte setzte. Und alles verlor. Dieser 27. Mai mit Blitz und Donner wird als Glückstag in die FCI-Annalen eingehen, und die Akteure waren sich nach der Nervenschlacht mit Happy End einig. „So etwas wollen wir nie wieder erleben.“

 

Quelle: IKZ, Willy Schweer