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„Mittelfeld ist nicht unser Anspruch“

Iserlohn. Beim Fußball-Nachwuchs steht der FC Iserlohn im Kreis für die höchsten Ligen und für viele Erfolge. Aber sind in der Saison 2018/2019 die Erwartungen wirklich erfüllt worden? Darüber sprachen wir mit Jörg Pantring, Chef der Jugendabteilung und 2. Vorsitzender des Gesamtvereins.

Als Sie vor einem Jahr die Ziele für die nun beendete Serie formulierten, sprachen Sie vom Westfalenliga-Aufstieg der U19 als zentraler Vorgabe. Die hat mit Hängen und Würgen den Abstieg aus der Landesliga verhindert. Wie konnte es diese Fehleinschätzung geben?

Da haben wir in der Tat völlig daneben gelegen. Ich nehme mich davon nicht aus, und unser sportlicher Leiter Oliver Ruhnert tut es auch nicht. Wir haben dem damaligen Trainer geglaubt, dass ein starker Kader beisammen ist, doch letztlich war es eine Selbstüberschätzung der Mannschaft. Dazu kamen atmosphärische Störungen zwischen Spielern und Trainer, weshalb wir auch den Wechsel zu Peter Habermann und André Juchum vorgenommen haben. Es lief dann gut, aber am Ende fehlten uns die Leute. Einige Spieler hatten keinen guten Charakter, die haben sich nur mit ihrer Zukunft in einer Seniorenmannschaft beschäftigt.

Hat man zu spät oder nicht genug Einfluss genommen?

Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht, und da will ich mich auch gar nicht rausreden. Daraus haben wir die Konsequenz gezogen und setzen jetzt auf Trainer, die sich voll mit der Philosophie des Vereins identifizieren und die für Kontinuität stehen. Ich will diese ständigen Wechsel nicht mehr.

Die U19 war eine totale Enttäuschung, aber auch die U17 hat in der Westfalenliga ihr Ziel verfehlt. Weshalb geht es bei den älteren Jahrgängen seit Jahren nicht mehr voran?

Nach der U15 gelingt es uns nicht, die Jungs im Verein zu halten. Dann locken oft Schalke, Dortmund oder Bochum. Bei unserer U17 baue ich jetzt auf Paul Freier, der einen starken Kader zusammenstellen soll. Aber wir müssen einräumen, dass wir auch nicht mehr der Magnet sind wie vor zehn Jahren.

Wie kann man gegensteuern?

Die Trainer sollen jetzt Konstanz reinbringen und sie müssen die richtigen Entscheidungen bei der Kaderzusammenstellung treffen. Ich will jetzt nicht über Trainingszeiten lamentieren, denn andere Vereine haben diese Probleme auch. Aber wir haben einen Fahrdienst, und die Ausstattung ist top. Wichtig ist, dass wir jetzt die U15, U16 und U17 im Auge haben und hier nicht so viele Abgänge verzeichnen.

Sie erwähnten den sportlichen Leiter Oliver Ruhnert. Wie kann er sich neben seiner Managertätigkeit bei Union Berlin überhaupt beim FCI einbringen?

Er ist für uns immer ansprechbar, bekommt alles mit und ist auch relativ häufig vor Ort. Ich bin heilfroh, dass er uns immer noch hilft. Ich weiß nicht, was aus der Nachwuchsabteilung würde, wenn wir beide unseren Job nicht mehr machten.

Durch das Bundesligadebüt früherer FCI-Talente winkt ja eine satte Finanzspritze vom DFB. Wofür wollen Sie das Geld verwenden?

Wir werden Rücklagen bilden, denn irgendwann ist wieder ein neuer Bus fällig. Wir werden in die Trainerausbildung investieren, werden ein Intensivwochenende für die Trainer beider Standorte anbieten und auch Geld für Trainingsmaterialien ausgeben. Aber wir werden den Trainern kein höheres Honorar zahlen.

Von verschiedener Seite wurden in der Vergangenheit strukturelle Veränderungen beim FC Iserlohn angemahnt. Kann man wirklich bei den kleinen Schritten bleiben?

Grundsätzlich geben wir nur das Geld aus, was wir auch einnehmen. Sicherlich kann man kontrovers darüber diskutieren, wie man sportliche Ziele erreicht.

Aber bei den Senioren kann man mit einer ersten Mannschaft in der Westfalenliga und einer zweiten in der B-Liga kaum zufrieden sein. Wo ist der Plan, wie man aufsteigt?

Ich will auf die zweite Mannschaft eingehen. Wir haben uns von dem Gedanken verabschiedet, Geld in die Hand zu nehmen, um die nach vorn zu bringen, möglichst bis in die Bezirksliga. Damit sind wir gescheitert. Es geht nur mit Teamgeist und jungen Spielern, die sportlich etwas erreichen wollen. Wenn man in der B-Liga bleibt, muss man darüber nachdenken, Spieler aus der U19 für ein Jahr zu einem anderen Verein zu geben und dann zurück zu holen. So werden sie weiter vernünftig ausgebildet. Deshalb ist es wichtig, mit den Nachbarn gut zu harmonieren.

Trotz der schlechten Erfahrung vom letzten Jahr: Wagen Sie eine Prognose, wie die Saison 2019/2020 läuft?

Auch wenn wir beinahe in der Bezirksliga gelandet wären: Unsere U19 soll um den Aufstieg zur Westfalenliga mitspielen, und auch die U17 erwarte ich in der nächsten Saison im Vorderfeld. Ob es gelingt, wird man dann sehen, aber es kann nicht unser Anspruch sein, Mittelplätze anzupeilen.

Quelle: IKZ, Willy Schweer