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Mit so einer Saison hat niemand gerechnet

Wurde einstimmig wiedergewählt: Vereinsvorsitzender Jens Breer. Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn. Ein Fußballspiel dauert in der Regel 90 Minuten, ehe der Abpfiff ertönt. Auf der Jahreshauptversammlung des FC Iserlohn wurde dieser Zeitrahmen am Freitagabend um 15 Minuten überschritten, so dass die anwesenden Mitglieder des Fusionsvereins bei Interesse zumindest noch die zweite Halbzeit des Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Saudi-Arabien im TV verfolgen konnten.

Aber die war genauso wenig dramatisch wie zuvor die Zusammenkunft der FCI-Fußballer, an deren Ende die einstimmige Wiederwahl des ersten Vorsitzenden Jens Breer sowie die Ehrungen langjähriger Mitglieder standen.

Eines der Themen war natürlich der Last-Minute-Klassenerhalt der ersten Mannschaft vor zwei Wochen im letzten Saisonspiel in Brackel. „Wie es in mancher Ehe ist, gibt es gute und schlechte Zeiten“, räumte Jens Breer gleich zu Beginn ein, dass es sportlich nicht so gut lief wie erhofft, weil insbesondere der Kader recht dünn besetzt gewesen und durch anhaltendes Verletzungspech weiter geschwächt worden sei. „Wir waren vorher alle der Meinung, dass es trotzdem reichen würde, um in der Westfalenliga oben mitzuspielen. In den Pokalspielen hat die Mannschaft ja auch ihr Potenzial gezeigt. Außerdem müssen wir immer die Kosten im Auge behalten, damit der Verein gesund bleibt“, sagte Breer und fügte hinzu: „Durch solche Phasen können wir als Verein nur wachsen.“

Yannik Marks gibt Zusage für weitere Saison am Hemberg

Verbesserungswürdig seien aus seiner Sicht die Sponsoring- und Marketing-Aktivitäten im Verein. Trotz der allgemein wirtschaftlich guten Lage sei es nicht gelungen, zusätzliche finanzielle Unterstützung zu generieren. „Daran werden wir arbeiten“, versprach der Vorsitzende, verwies zugleich darauf, wie schwierig das angesichts der Konkurrenz anderer Sportarten (Eishockey, Basketball) sei.

Die für langjährige Vereinstreue anwesenden geehrten Mitglieder mit dem Vorstand des FC Iserlohn (v. li.): Günter Grob, Wolfgang Wiegmann, Jörg Pantring, Thomas Hoßdorf, Albrecht Noll, Fritz Pfeifer, Wolfgang Klutz sowie Geschäftsführer Ernst Greve, Vereinschef Jens Breer und Gerhard Bigott.
Foto: Dennis Echtermann

Der sportliche Leiter Uli Sauerborn versuchte nicht, die zahlreichen Verletzungen oder viele unglücklich zustande gekommenen Punktverluste als Entschuldigung für die schwache Saison anzuführen. „Alle sind enttäuscht, aber Fußball ist ein Ergebnissport.“ Alles andere zähle nicht. „Spätestens mit dem Start der Vorbereitungen zur neuen Saison spricht kein Mensch mehr darüber.“ Jedenfalls haben die Verantwortlichen aus ihren Fehlern gelernt, den Kader nachhaltig aufgerüstet und in der Breite besser aufgestellt, wobei nach wie vor Wert darauf gelegt wird, auch eigene Nachwuchsspieler weiter zu entwickeln. Als letzter Spieler aus dem letztjährigen Aufgebot gab nun Yannik Marks seine Zusage.

Gleichwohl kritisierte Oliver Ruhnert, langjähriger Trainer im Verein und jetzt sportlicher Berater im Nachwuchsbereich des FCI, die Kaderplanung im Defensivbereich: „Da ist seit Jahren nichts passiert. Wir kassieren Tore ohne Ende und holen nur offensive Leute.“ Sauerborn sieht aber das Problem nicht nur in der letzten Linie: „Als Mannschaft haben wir in der abgelaufenen Saison einfach suboptimal verteidigt.“

Die sportliche Talfahrt der ersten Mannschaft hatte dazu Auswirkungen auf die Reserve, die nicht durch Spieler aus dem Westfalenligakader verstärkt werden konnte. Die Folge war der Abstieg aus dem Kreisliga-Oberhaus, wo sie sich eigentlich etablieren sollte. Die Verpflichtung von Peter Habermann als erfahrener Trainer soll der Zweitvertretung als Auffangbecken für die eigenen Nachwuchsspieler neues Leben einhauchen, um wieder nach vorne zu kommen.

Reduzierte Personalkosten dokumentieren Sparkurs

Gewohnt routiniert spulte Schatzmeister Thomas Hoßdorf, der ebenso wie Jens Breer für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt wurde, den Finanzbericht ab. Im Kalenderjahr 2017 betrug der Gesamtumsatz 356.000 Euro, das sind 51.000 € weniger als im Vorjahr. Auf der Ausgabenseite wurden die Personalkosten (Trainer, Spieler, Steuern, Sozial- und Unfallversicherung) um 18.300 € auf 150.000 € gemindert. Durch die Pokalspiele flossen bemerkenswerte 4.500 € zusätzlich in die Kasse. Der Betrag wäre noch höher gewesen, aber bekanntlich werden die Einnahmen mit dem Gegner geteilt.

Erneut deckten die Spieleinnahmen (6.800 €) nicht die Verbandsabgaben 8.850 €. Die Beitragseinnahmen betrugen 22.500 €, sind somit um 2.000 € gestiegen. Schiedsrichterkosten beliefen sich auf 3.900 €, die Investitionen in Sportausrüstung sowie weitere Mannschaftsaufwendungen auf 6.000 €.

Die abermals gesunkenen Personalkosten dokumentieren den strikten Sparkurs des Vereins in den vergangenen beiden Jahren. „Vielleicht hat das auch etwas mit dem schwachen Abschneiden zu tun“, vermutete Hoßdorf, der allerdings die Richtung des Vorstandes verteidigt: „Wir geben nur die Kohle aus, die wir zur Verfügung haben, denn wir wollen schließlich auch in fünf Jahren hier noch stehen.“

Trotz des Abstiegs der C-Junioren aus der Regionalliga und des verpassten Aufstiegs der A-Junioren in die Westfalenliga bleibt die Nachwuchs-Abteilung des FC Iserlohn ein Aushängeschild des Vereins. Von den neun höherklassig spielenden Jugendteams im Kreis stellt sechs der FC Iserlohn.

Jörg Pantring wünscht sich mehr Unterstützung

„Daran sieht man, welche Arbeit hier jeden Tag geleistet wird und worauf wir auch stolz sein können“, hob Jörg Pantring als zweiter Vorsitzender und Jugendleiter in seinem Bericht auch positive Aspekte hervor, verdeutlichte aber zugleich, wie schwer es ist, einen Verein mit dieser Struktur, mit 20 Jugendmannschaften und über 400 Kindern durch ehrenamtliche Tätigkeit einigermaßen professionell zu lenken. „Jeder sollte mal darüber nachdenken, wie man helfen kann, damit der Verein in der Breite und Tiefe besser voran kommt“, wünscht sich Pantring mehr Unterstützung.

 

Quelle: IKZ, Helmut Muschiol