NachwuchsNews

Die Amateure haben sich Gehör verschafft

Iserlohn. In der Chefetage des Deutschen Fußballbundes hatte man sich das eigentlich ganz anders gedacht. Das große „Projekt Zukunft“ wird präsentiert, das die Nachwuchs-Nationalmannschaften wieder zurück an die Weltspitze bringt, die Verbände goutieren es und winken es beim Bundestag des Verbandes durch. Doch die Basis hat aufgemuckt. Schließlich sieht das in der Frankfurter Zentrale ersonnene Konzept die Abschaffung der Durchlässigkeit zwischen Profi- und Amateurbereich mit der Streichung der Jugend-Bundesligen vor, was zu einer Zusammenfassung der Nachwuchs-Leistungszentren in einem geschlossenen System führt.

Daran hat es viel Kritik gegeben – auch aus Westfalen. Ende letzter Woche lud die Verbandsspitze um Präsident Gundolf Walaschewski Vertreter von 16 Vereinen zu einer Videokonferenz ein, um den Staus quo und das weitere Vorgehen zu debattieren. Für den Nachwuchs des FC Iserlohn nahm dessen sportlicher Leiter Oliver Ruhnert teil, der als Geschäftsführer Profifußball bei Union Berlin wie kaum ein anderer die Interessen beider Bereiche beurteilen kann.

Seit dem letzten Dialog auf FLVW-Ebene haben weitere Beratungsprozesse des DFB mit den Regional- und Landesverbänden sowie den Nachwuchsleistungszentren stattgefunden, und dabei betonte der DFB, wie wichtig es sei, auch die Interessen der Amateure zu berücksichtigen. „Die haben gemerkt, dass es nicht nach dem Motto ,friss oder stirb’ gehen kann und man die Basis mit ins Boot holen muss“, meint Ruhnert, den es mit Genugtuung erfüllt, dass die Amateure doch nicht völlig machtlos sind. „Und unsere Verbandsspitze hier in Westfalen macht bei diesem Thema wirklich einen guten Job“, lobt er.

Klar ist, dass die Abschaffung der Bundesligen und der Schwenk zu Entwicklungsturnieren für die Nachwuchsmannschaften so leicht nicht vollzogen werden kann, schon gar nicht beim anstehenden DFB-Bundestag. Ruhnert: „Natürlich ist das neue Modell für die Nachwuchs-Leistungszentren interessant, weil man ja nicht mehr absteigen kann. Aber ich erkenne auch bei den Profis Verständnis für die Interessen der Amateure.“

Er betont, dass einige der 56 bundesweit bestehenden Leistungszentren nicht so stark sind wie manche Nachwuchsabteilung eines Amateurvereins und prophezeit, dass beim „Projekt Zukunft“ am Ende die schwächeren NLZ herausgedrängt werden und die stärksten unter sich bleiben. „Es ist doch jetzt schon so, dass zwölf bis vierzehn Leistungszentren dafür sorgen, dass Spieler in die Profiligen kommen.“

Ruhnert lobt den Einsatz der Verbandsspitze

Für Ruhnert ist die Beibehaltung der Bundesligen, der Wettbewerb mit Auf- und Abstieg ein Muss, damit die Amateurklubs einen Anreiz behalten, echte Leistungsförderung zu betrieben. „Die Durchlässigkeit muss unbedingt gewahrt bleiben.“ Auf allen Ebenen sollen nun Workshops stattfinden, in denen man Modelle entwickeln will, die mehrheitsfähig sind. Die Amateure erheben ihre Stimme, und wenn sie es gemeinsam tun, können sie kaum überhört werden. Dass es besonders wirkungsvoll ist, wenn sich mit Oliver Ruhnert ein prominenter Vertreter der Profis für die Belange der Basis stark macht, liegt auf der Hand.

Der Union-Manager sieht jetzt auch die Chance, leistungsfördernde Strukturen in Westfalen einzuführen, etwa die vom FC Iserlohn geforderte Aufstockung der Westfalenligen auf 14 Vereine. Gerade das „Projekt Zukunft“, mit dem die Amateure überrollt wurden, hat Verband und Vereine offensichtlich näher zusammenrücken lassen. Der begonnene Dialog wird nicht abreißen, und für Ruhnert ist klar, dass mit dem Vorstoß der Amateure ein Stein ins Rollen gekommen ist, der sich nicht mehr stoppen lässt.

Quelle: IKZ, Willy Schweer