Top NewsVerein

Ruhnerts Einsatz für Belange der Amateure

Iserlohn. Mit der Präsentation des ersten Grobkonzeptes zum „Projekt Zukunft“ hat die DFB-Lenkungsgruppe bei jenen, die sich unmittelbar mit der Nachwuchsfußball-Thematik auseinandergesetzt haben, für mächtig Wirbel gesorgt. Mittlerweile mehren sich die kritischen Stimmen, und vor allem die neue Spielklassenstruktur mit der Abschaffung der Bundesligen der U19 und U17 stößt auf Widerstand.

Das wurde auch bei der vom westfälischen Fußballverband anberaumten Videokonferenz deutlich, an der Vertreter von zwölf Amateurvereinen teilnahmen, die in den höchsten westfälischen Spielklassen vertreten sind. Mit dabei war auch der FC Iserlohn in Person von Oliver Ruhnert, der als sportlicher Leiter der Jugendabteilung das Wort ergriff. Das tat er nicht zum ersten Mal bei diesem Thema, zu dem er eine andere Meinung hat als die DFB-Verantwortlichen und als viele Profiklubs.

Verbandsspitze will sich nicht unter Druck setzen lassen

Eine Ablehnung der Vorschläge kam aus der Bundesliga bislang nur von Bayer Leverkusen und der TSG Hoffenheim – nicht aber von Ruhnerts Klub Union Berlin. Dazu der Geschäftsführer Profifußball: „Ich spreche nicht für unser Nachwuchsleistungszentrum, sondern äußere meine persönliche Meinung.“ Das tat er auch am Sonntag in der Talkrunde „Sky90“, und danach dürfte sein Freundeskreis in der Frankfurter DFB-Zentrale nicht unbedingt größer geworden sein.

Doch den 49-Jährigen ficht das nicht an. „Hier sind Theoretiker am Werk, die glauben, dass man ihr Konzept so einfach durchwinken kann. Aber zum Glück wird das nicht funktionieren.“ Sehr zuversichtlich stimmt ihn die Haltung der FLVW-Spitze um den Präsidenten Gundolf Walaschewski und Holger Bellinghoff, den Vizepräsidenten Jugend. Sie machten bei der Videokonferenz deutlich, dass man sich keinesfalls vom DFB überrollen lassen und die Thematik in den zuständigen Ausschüssen beraten werde.

Damit liegt der Verband ganz auf der Linie der Vereinsvertreter, die bei der Konferenz Ruhnerts bisherige öffentliche Äußerungen voll unterstützten. Schließlich macht sich einer aus dem Profilager gerade für die Belange der Amateure stark. Der Union-Manager sagt aber auch: „Es ist nicht alles schlecht an diesem Konzept. Was da über die Trainerausbildung oder zum Thema Kinderfußball steht, kann man ohne weiteres unterschreiben. Aber die Abschaffung der Bundesligen, die Trennung von Profis und Amateuren muss man verhindern.“

Ruhnert verweist auf die fehlende Motivation, wenn es nicht mehr zu Duellen mit dem Nachwuchs der Profiklubs kommen kann und die drohende Zerschlagung der bislang gut funktionierenden Förderkette in der Vereinslandschaft. Für ihn müssen andere Themen in den Vordergrund rücken. „Es läuft strukturell einiges falsch. Es muss ganz anders gesichtet werden als bisher, und in einem ersten Schritt sollte man sich bemühen, Kreisauswahlmannschaften wieder auf ein höheres Niveau zu heben. Da müssen wirklich die besten Leute spielen.“

Nach der Videokonferenz ist er zumindest zuversichtlich, dass sich Westfalen den DFB-Vorgaben widersetzt. Aber auch im Verband selbst gibt es weiterhin Handlungsbedarf, wenn es nach Ruhnert und dem FCI-Nachwuchs geht. „Wir sollten die Ligenstruktur sinnvoll gestalten. Wenn man die Westfalenliga auf 14 Vereine aufstocken würde, bekäme man mehr Kontinuität als in den Zwölfer-Staffeln, die ein Drittel aller Mannschaften nach jeder Saison verlässt.“

Hier werden die Iserlohner auf Reformen drängen, und ihr sportlicher Leiter wird auf der großen Bühne Überzeugungsarbeit leisten, um bei den Profiklubs die Sinne dafür zu schärfen, das ein „Projekt Zukunft“ andere Inhalte braucht.

Quelle: IKZ,Willy Schweer