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Moderne Version des Schwarzen Brettes

Foto: B. Canci

Iserlohn. Wenn der Trainingsanzug zu eng wird, die Fußballschuhe drücken oder die Hose „Hochwasser“ bekommt, ist es Zeit für eine Neuausstattung. Eltern, die eines oder mehrere sporttreibende Kinder haben, kennen das, und einigen graut es auch vor solchen Situationen. Schließlich ist das benötigte Equipment unter Umständen alles andere als preiswert. Nicht in jeder Familie gibt es die Möglichkeit, die Sachen unter den eigenen Kindern zu tauschen. Und überhaupt: Wo sind getragene, aber zu klein gewordene Klamotten am besten aufgehoben, die zum Wegwerfen viel zu schade sind?

Fragen wie diese hat sich auch Norbert Lange gestellt – und in Form der neuen „Football-For-Future“-App nun auch eine Antwort gefunden. Anfang Oktober soll das Programm für android- und applebasierte Mobiltelefone in den entsprechenden „App-Stores“ erscheinen und an den Start gehen. Es handelt sich dabei um einen vereinsinternen Kleinanzeigenmarkt für alle möglichen Sportutensilien aus zweiter Hand, der zunächst ausschließlich Mitgliedern des FC Iserlohn und deren Eltern zur Verfügung steht.

Dieser Schritt liegt auf der Hand, weil Langes Tochter Lily Laetitia selbst beim FC Iserlohn Fußball spielt – bei den B-Juniorinnen in der Bundesliga, die für die App inzwischen auf ihren Trikots werben. „Immer häufiger ist die Trainingsbekleidung mit dem Vereinsemblem versehen und daher für andere Klubs nicht mehr interessant“, begründet der Projektleiter. Sein Ziel ist es aber, dass auch andere Vereine diese App eines Tages nutzen können, die im Prinzip so etwas wie eine Weiterentwicklung des klassischen Schwarzen Brettes ist. „Wir arbeiten daran.“

Der Weg von der Idee zur fertigen App war lang. Lange versteht zwar als Verantwortlicher für den Bereich Umwelt- und Arbeitsschutz beim Hemeraner Unternehmen Grohe eine Menge von Nachhaltigkeit, nicht aber vom Programmieren. Jemanden, der das in die Hände nimmt, musste er also erstmal finden. Und Geld musste her.

Iserlohner App eines von elf förderungswürdigen Projekten

Deswegen nahm Lange mit seinem Projekt vor etwa einem Jahr an einem Nachhaltigkeitswettbewerb der Bundesregierung teil, von der wiederum vor 19 Jahren der „Rat für nachhaltige Entwicklung“ (RNE) berufen wurde. Dort konkurrierte die Iserlohner App-Idee mit anfangs 116 weiteren Projekten, von denen letztlich elf für förderungswürdig befunden wurden. Der positive Bescheid flatterte den Langes im Mai ins Haus.

Der stellvertretende RNE-Generalsekretär Bodo Richter bescheinigte allen elf als förderungswürdig anerkannten Projekten, dass sie das Potenzial haben „Denkmuster aufzubrechen, Bürgerinnen und Bürger für einen bewussteren Umgang mit Textilien zu sensibilisieren und Konsumenten nachhaltige Alternativen aufzuzeigen“. Lange schilderte, dass noch vor Weihnachten ein detaillierter Projektplan fertig sein sollte. „Dabei hatten wir immer noch keinen Programmierer.“

In Patrick Winkler, der beim TTC Altena Tischtennis spielt, wurde der dringend gesuchte Experte schließlich gefunden. Inzwischen kann das Projektteam eine Beta-Version nutzen. „Sie ist einfach zu bedienen“, stellt Norbert Lange zufrieden fest, der ansonsten eher wenig Berührungspunkte mit den kleinen Programmen hat. „So etwas ist eher nicht mein Lieblingsthema.“ Wer die App demnächst nutzen möchte, bekommt vom Verein einen Code. Mit diesem und einer gültigen E-Mail-Adresse erfolgt die Anmeldung. Fünf Fotos können zu einem Produkt, das verkauft werden soll, mit den wichtigsten Informationen hochgeladen werden.

So simpel das Prinzip klingt – offenbar ist in Deutschland noch niemand auf die Idee gekommen, auf diese Weise gebrauchte Kleidung einer neuen und sinnvollen Nutzung zuzuführen. „Ich habe intensiv nach etwas Vergleichbarem gesucht, habe aber nichts gefunden.“ Auch der Vorsitzende des FC Iserlohn, Jens Breer, freut sich über den Erfolg. „Das ist ein tolles Zeichen für uns. So können wir zeigen, dass auch ein Fußballverein Verantwortung im Bereich der Nachhaltigkeit übernehmen kann. Damit schlagen wir auch ganz bewusst eine Brücke zu den Forderungen der Fridays-For-Future-Bewegung.“

 

Quelle: IKZ, Oliver Bergmann